Historische Stereoskopien

von Hartmut Wettmann, Berlin


Vorbemerkung

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit Stereofotografien des 19. Jahrhunderts im Standardformat 9X18 (3,5X7 Zoll). Auf Druckverfahren (Lichtdruck usw.) wird nicht eingegangen. Soweit nicht anders angegeben, sind die gezeigten Bilder unbearbeitet.

Geschichte der Stereoskopie

Im Juni 1838 hielt der englische Physiker Charles Wheatstone vor der Londoner Royal Society einen Vortrag über die Physiologie des Sehens und skizzierte dabei einen Apparat, in dem sich zwei unterschiedliche Bilder so vereinigen, dass der Eindruck von Räumlichkeit entsteht. Das wissenschaftliche Problem der Augenparalaxe, der wir das dreidimensionale Sehen verdanken, war schon in der Antike bekannt: Euklid und Galen erwähnen es in ihren Schriften.[1] Dem Schotten David Brewster gelang 1844 die Verbindung von Fotografie und Stereoskopie mit einem neuartig konstruierten Stereoskop, das aber erst 1850 in den Handel kam.[2] Stereoskopien (Stereographien, Stereofotografien) sind Doppelbilder, das linke Bild eines Motivs wird aus der Perspektive des linken Auges, das rechte aus der des rechten Auges aufgenommen. Ordnet man die beiden Bilder nebeneinander an und betrachtet sie durch ein Stereoskop, sieht man das Motiv dreidimensional. Die beiden zweidimensionalen Bilder werden im Gehirn zu einem dreidimensionalen zusammengesetzt. Obwohl jedes der beiden Bilder in der Regel nur etwa 8X8 cm groß ist, erscheint dem Betrachter das dreidimensionale Bild verblüffend groß. Aufgenommen wurden Stereoskopien zunächst mit einem normalen Fotoapparat mit einem Objektiv, der auf einer Schiene verschoben wurde. Damit konnte man natürlich nur unbewegte Objekte aufnehmen. Deshalb wurden bald (1852 Ninet, 1860 Bertsch) spezielle Stereokameras mit zwei Objektiven entwickelt. Der Abstand zwischen den beiden Objektiven entspricht etwa dem Augenabstand (7 cm), wurde aber häufig erheblich erhöht (bis zu mehreren Metern), um die 3D-Wirkung zu erhöhen. Hergestellt wurden die Stereoskopien zunächst als Daguerreotypien, dann als Kopien vom Negativ auf Salzpapier. 1850 erfand Blanquart-Evrard, der Inhaber der Kalotypie-Kopieranstalt in Lille das Albuminpapier. Er überzog das Paper mit Eiweiß, in dem Kaliumbromid und Essigsäure gelöst waren. Nach dem Trocknen kam eine Silbernitratlösung hinzu.[3] Damit stand ein preiswertes Verfahren zur Verfügung. .

Brewster Stereoskop
Brewster Stereoskop

Betrachtet wurden die Stereoskopien mit dem Brewster-Stereoskop, einem Guckkasten mit zwei Okularen und einer Streuglasscheibe an der Rückseite. Transparente Stereobilder sind damit sehr gut zu betrachten Zur Betrachtung nichttransparenter Bilder befindet sich an der Oberseite des Guckkastens ein kippbarer Spiegel, mit dem man Licht auf das Bild lenken kann. Dieses Stereoskop war recht teuer und etwas unhandlich. Etwa 1860 entwickelte der amerikanische Arzt Oliver Wendell Holmes ein neues, leichteres Stereoskop. Es beruhte auf dem Linsensystem Brewsters, war aber leichter zu handhaben.[4] Auf einem Stab vor den Linsen ist ein beweglicher Schlitten angebracht, auf dem das Stereobild befestigt ist.

Holmes Stereoskop
Holmes-Stereoskop (Amerikanisches Stereoskop)

Stereoskopien erlangten sehr rasch eine hohe Popularität und bald waren Fotografen in aller Herren Länder unterwegs, um die Bilder aufzunehmen. Beliebt als Motive waren Ruinen antiker Bauwerke, Städteansichten, die Berge und Gletscher der Alpen, aber auch (nachgestellte) Szenen aus dem Familienleben. Stereoskopien waren aber zunächst noch recht teuer. Sie waren anfangs nur in gutbürgerlichen Häusern zu finden. Bald begannen aber Firmen mit der Massenherstellung. Die London Stereoscopic Society verkaufte im Jahr 1862 bereits eine Million Aufnahmen. In Deutschland wurden die Stereobilder in aller Regel von den Fotografen selbst in eigenen Manufacturen hergestellt. Ihre größte Verbreitung erreichten die Stereoskopien Ende des 19. Jahrhunderts. Die Firma Underwood & Underwood in den USA war 1894 zu einem riesigen internationalen Unternehmen mit vier Fabriken herangewachsen, in denen pro Jahr zehn Millionen Abzüge produziert wurden.[5] Ab 1880 betrieb August Fuhrmann in Berlin in der Kaiserpassage (und bald auch in anderen Städten) das Kaiser-Panorama, ein Betrachtungsgerät mit dem fünfundzwanzig Personen gleichzeitig handkolorierte Stereoskopien anschauen konnten. Es handelte sich um einen Rundbau, in dessen Wand die Stereoskope eingebaut waren. Die Stereoskopien liefen innen vorbei. Fuhrmann baute im Lauf der Jahre einen umfangreichen Bestand auf.[6] Um 1900 herum gab es eine große deutsche Firma, die Neue Photographische Gesellschaft in Berlin-Steglitz, die hohe Auflagen von Bildserien mit Motiven aus aller Welt erzielte. Von den 1930er bis in die 1950er Jahre produzierte und vertrieb schließlich der Raumbild-Verlag Otto Schönstein Raumbildbände und Raumbildkassetten, die Raumbilder und einen Betrachter enthielten.[7] Heute wird die Stereofotografie von zahlreichen privaten Fotografen betrieben, die professionelle Anwendung ist selten (etwa bei der Mars-Sonde). Man darf sich daher nicht wundern, wenn sie weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Eine Ausnahme macht das IMAX Kino, das täglich viele Besucher anzieht.


Arten von Stereoskopien

Die Stereodaguerreotypie

Eine Daguerreotypie sieht auf den ersten Blick aus wie ein Spiegel. Erst wenn man sie im richtigen Blickwinkel hält, erkennt man das Foto. Die Bilder sind lichtbeständig aber sehr empfindlich gegen mechanische Beschädigungen. Sie sind daher stets unter Glas gerahmt. Hergestellt wurden sie durch Belichtung einer Kupferplatte, die mit einer dünnen Silberschicht überzogen ist. Es handelt sich um Unikate. Eine Vervielfältigung war nicht möglich. Stereodaguerreotypien sind heute nur noch selten auf dem Markt und erreichen – je nach Motiv – leicht Preise von mehreren Tausend Euro, Aktaufnahmen in vielen Fällen mehrere zehntausend Euro. Schon in ihrer Entstehungszeit waren Daguerreotypien kostbare Einzelstücke, die sich nur das gehobene Bürgertum leisten konnte. Die ersten Stereodaguerreotypien entstanden ab 1850. Sie wurden in der Anfangszeit auf zwei verschiedenen Platten belichtet. Später konstruierte man eine Kamera deren Objektiv sich verschieben lies und man verwandte eine Platte. Dies ist natürlich erst zu erkennen und damit das Alter zu bestimmen, wenn man die Stereodaguerreotypie – etwa zum Reinigen – öffnet.[8] Wegen ihres kostbaren Aussehens und der Möglichkeit, sie aufs feinste zu kolorieren wie Miniaturen hat man das Verfahren bis 1855 beibehalten.[9] In den USA hielt sich das Verfahren sogar noch etwas länger. Dort stellte die Firma Mascher ab 1853 ein patentiertes Etui her, das die Stereodaguerreotypie und ein Betrachtungsgerät enthält. Diese Etuis waren bis etwa 1860 in den USA sehr populär.[10]

Die Ambrotypie

Eine Ambrotypie sieht einem Schwarzweißfoto schon sehr viel ähnlicher. Es gibt die für Daguerreotypien so charakteristische Spiegelung nicht mehr, es fehlt jedoch deren Schärfe und Brillanz. Ein schwaches Kollodiumnegativ erscheint vor einem dunklen Hintergrund positiv. Monodaguerreotypien sind meist in ähnliche Etuis montiert, wie Daguerreotypien. Stereoambrotypien sind gerahmt. Das Kollodiumverfahren auf Glasplatten wurde (von Archer) 1851 veröffentlicht.[11] Stereoambrotypien entstanden zwischen diesem Zeitpunkt und dem Ende des Jahrzehnts. Sie erreichten jedoch keine große Bedeutung und sind heute selten.

Die transparente Stereoskopie auf Glas

Transparente Stereoskopien auf Glas gehören zu den brillantesten Stereoskopien überhaupt. Das Positiv ist seitenverkehrt auf der Rückseite einer Glasplatte aufgetragen, und wird von einer Streuglasscheibe geschützt. Die beiden Glasplatten werden von einem (meist schwarzen oder grauen) Klebeband zusammengehalten. Sie entstanden in den 1860er Jahren, meist in Frankreich. Durch neue Techniken in der Herstellung (Kollodiumverfahren) und lichtstärkere Objektive waren die Belichtungszeiten kürzer geworden. Da die Stereokameras wegen der kleinen Negativformate zudem mit kurzen Brennweiten auskamen wurde es möglich, Stereoaufnahmen von bewegten Objekten aufzunehmen. Als 1860 in Paris stereoskopische Transparentaufnahmen von Claude-Marie Ferrier, A. Ferrier und Charles Soulier ausgestellt wurden, waren die ‚Photographic News’ voll des Lobes und bezeichneten sie als ‚die vollkommensten Dinge dieser Art, die man je hervorgebracht hat. ….Nicht eine von tausend verschiedenen Gestalten – Fußgänger und Fuhrwerke, die in allen Richtungen unterwegs sind, zeigt das geringste Anzeichen von Bewegung oder Unschärfe.’[12] Erstaunlicher Weise findet man gelegentlich transparente Glasstereokopien auf dem Markt zu mäßigen Preisen (fünfzig bis mehrere hundert Euro).

Die transparente Stereoskopie auf Papier (Tissue)

Zwischen zwei dünnen Kartons (meist elfenbeinfarben oder gelb) mit eingestanzten Sichtfenstern ist ein Foto auf dünnem, transparentem Papier eingefügt. Das Foto ist häufig von der Rückseite koloriert, Lichtreflexe (Kerzen, Schmuck) werden mit dünnen Nadellöchern betont. Beides wird erst bei Durchsicht sichtbar.
Tissue
Ausschnitt aus einem Tissue

Auf der Rückseite schützt ein weiteres transparentes Papier das Bild. Die Bilder sind sehr empfindlich, unbeschädigte Exemplare sind selten. Das Verfahren wurde 1853 von J. L. Tardieu vorgestellt und wurde kommerziell genutzt ab 1855. Die meisten Bilder wurden zwischen 1858 und 1875 in Frankreich hergestellt. Fotografen sind nur selten genannt, gelegentlich sind aber Initialen angegeben (JA – J. Andrieu, LL – Leon & Levy, EL - E. Lamy, BK – B. Kuhn).[13]


Die Stereoskopie aus Papier, aufgeklebt auf Karton

Die mit Abstand häufigsten Stereoskopien sind solche aus Papier, die auf Karton aufgeklebt sind. Die folgende Tabelle gibt einen ersten Überblick (sie ist in leicht abgewandelter Form dem Buch: The World of Stereographs von William C. Darrah entnommen)

Stereofotos aufgeklebt

 

auf  dünnem Karton von verschiedener Farbe

 

 

Oberfläche nicht glänzend Salzpapier

1851 - 1858

 

 

Oberfläche glänzend Albumin

1852 - 1858

 

auf dickem Karton von verschiedener Farbe

 

 

 

flacher Karton

 

 

 

 

Ecken rechtwinklig

 

 

 

Karton weiß:, grau, elfenbein

1857 - 1863

 

 

Karton gelb

1861 - 1870

 

 

Karton rot, lavendel, grün, blau

1866 - 1870

 

 

Ecken abgerundet, Karton in vielen Farben

1868 - 1890

 

 

gewölbter  Karton

 

 

 

Karton lederfarben

1879 -1910

 

 

Karton grau

1892 - 1940

 

 

Karton schwarz

1902 – 1910

 

Begriffserklärung:

 

Salzpapier – Die zwischen 1839 und 1860 gebräuchlichen Salzpapierabzüge werden durch direktes Einschwärzen im Kontakt mit dem Negativ hergestellt (Auskopierverfahren). Das Papier ist in einer Salzlösung präpariert und wird mit Silbernitraten lichtempfindlich gemacht. Die Papierstruktur bleibt sichtbar, da sich das Korn des Silbers direkt mit den Papierfasern verbindet.

 

Albumin – Das im 19. Jahrhundert am häufigsten verwendete Verfahren wurde 1850 eingeführt. Es handelt sich ebenfalls um ein Auskopierverfahren. Das Albumin (Eiweiß) fungiert als Bindemittel für die Silbersalze und gibt dem Bild eine zweifache Beschichtung. Das Papier besitzt eine glänzende Oberfläche. Das Verfahren wurde erst nach dem Ersten Weltkrieg durch andere Verfahren ersetzt.[1]



Die Stereoskopie auf Salzpapier

Salzpapier

Eine Ansicht auf Salzpapier erkennt man in erster Linie daran, dass sie auch bei Veränderung des Betrachtungswinkels nicht glänzt. Betrachtet man das Bild mit einer guten Lupe, erkennt man deutlich die Papierfasern. unbekannter Fotograf: Ansicht von Paris Der verwendete Karton ist weiß oder elfenbeinfarben, sehr dünn (etwa ein Zehntel Millimeter) und biegsam. Die beiden Halbbilder sind häufig umrahmt mit einem goldfarbenen Rahmen. Das Foto selbst wirkt weich aber nicht unscharf.

Die Stereoskopie auf Albuminpapier

Fast alle heute auf dem Markt befindlichen Stereoskopien aus dem 19. Jahrhundert sind auf Albuminpapier kopiert. Man erkennt das Papier an seinem Glanz. Unter der Lupe sind mehr oder weniger deutlich feine Risse in der Schicht zu erkennen. Die Palette der Motive ist wie bereits gesagt weit. Sehr häufig sind Bilder von den Alpen. Auch Rheinlandserien wurden bereits früh publiziert. Ein besonderes Thema sind Humorbilder. Da hat sich der Zeitgeschmack in den mehr als hundert Jahren wohl doch deutlich geändert. Wenn der Ehemann in ein Stereoskop schaut und ein Besucher die Gelegenheit nutzt, derweil die Ehefrau zu küssen können wir eigentlich nur recht verhalten lachen. Interessant sind ein paar technisch bedingte Besonderheiten, die auch Anhaltspunkte für die Datierung sind. Zunächst fällt auf, dass bei manchen Bildern von Flüssen die Wasseroberfläche glatt wie ein Spiegel ist. Das liegt an der langen Belichtungszeit und deutet darauf hin, dass das Entstehungsjahr in den 1850ern oder 1860ern liegt. Gleiches gilt für Bilder, auf denen Personen sehr blass und verschwommen zu sehen sind (‚Geister’) Dann findet man Bilder, auf denen eines der beiden Bilder eine Kutsche zeigt, das zweite aber nicht – ein Beleg dafür, dass die Kamera nur ein Objektiv hatte und die Bilder zeitversetzt aufgenommen wurden. Auch das ist ein Hinweis auf ein frühes Entstehungsjahr.

Kutschen
H. Jouvin: N. 405 Francfort-sur-le-Mein Eschenheimer Thurm. (Unterschiedliche Kutschen links und rechts.

Geister
Theodor Creifelds: Nro. 273. Römer in Frankfurt, gross. (Geister)




Raubkopien

Hat man zwei Stereokarten, die eindeutig von demselben Negativ stammen aber unterschiedliche Fotografen- oder Verlegernamen tragen gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder hat der Fotograf sein Negativ verkauft, was häufig vorkam, oder es handelt sich um eine Raubkopie, was ebenfalls häufig war. In den Anfangsjahren gab es noch keinen Urheberschutz. Bei Karten mit dem Aufdruck
The Best Series
European Series
European Scenery
Foreign Scenery
Popular Series
handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Raubkopien. Besonders häufig wurden beliebte Serien von bekannten Fotografen kopiert wie William Englands Rheinlandserie:

Raubkopie


Bezeichnung

Die Bezeichnung der Bilder ist ebenfalls interessant. Häufig ist ein Aufdruck auf der Vorderseite mit Fotografenname (oder –initialen) und Bezeichnung der Serie wie auf den Bildern von Jouvin und Creifelds (siehe oben) kombiniert mit einem Klebeetikett auf der Rückseite, das eine Bildnummer und Bezeichnung des Motivs enthält. Es gibt aber auch Prägestempel (Blindstempel) mit dem Namenszug des Fotografen oder einem Symbol (Bei H. Krone, Dresden zum Beispiel wird eine Krone eingeprägt zusätzlich zum Aufdruck)

Ferrier
Ferrier à Paris: 609 Grande arche du pont de Berne (Suisse) (Prägestempel links, Bezeichnung auf der Rückseite von zeitgenössischer Hand)
Gelegentlich ist auf die Rückseite Werbung für den Fotografen oder den Verleger aufgedruckt:

Rospini

Häufig ist der Name des Fotografen nicht angegeben sondern nur ein Etikett mit dem Titel aufgeklebt. Das ist insbesondere bei den frühen französischen Fotografen der Fall. Dann gibt es in vielen Fällen die Möglichkeit, das Bild anhand der Gestaltung des Aufklebers einem bestimmten Fotografen zuzuschreiben. Zum Beispiel sind Fotos mit diesem Aufkleber stets von Bertrand:

Bertrand


Die Stereoskopie auf starkem Fotopapier

stammt meist aus den Jahren um 1900. Häufig stammen diese Stereoskopien von der Neuen Photographischen Gesellschaft (NPG) in Berlin Steglitz. Sie tragen in der linken unteren Ecke ein rundes Emblem mit den Buchstaben NPG oder auf der Rückseite den Aufdruck der Firma, oft mit dem Herstellungsjahr. Es gab aber noch einige andere Firmen im In- und Ausland, die ähnlich Bilder herstellten.

Die kolorierte Stereoskopie

Sowohl Daguerreotypien als auch Albuminbilder wurden in vielen Fällen handkoloriert. Bekannt sind die kolorierten Stereoskopien von A. Silvester aus den 1850er Jahren.

Silvester

Später fertigten Adolphe Braun, Linde (Sophus Williams), Geschwister Pauly, Berlin, Loescher & Petsch hübsche Bilder und auch die NPG hat manche Serien in einer kolorierten Version herausgegeben.
Die Stereoskopie auf gewölbtem Karton
Stereoskopien auf gewölbtem Karton wurden in aller Regel in den USA hergestellt. Von der Wölbung versprach man sich eine größere 3D-Wirkung. Die bekanntesten Hersteller waren Underwood & Underwood, Keystone, J. F. Jarvis, James Davis, Strohmeyer & Wyman und H. C. White. Der verwendete Karton ist deutlich dicker als der flache und in dunkelen Farbtönen.


Fotografen

Fotograf

Die bekanntesten Stereographen waren William England, der Cheffotograf der London Stereoscopic Company, Adolphe Braun, C. Hertel (Mainz), Philipp Remelé, Jouvin, Creifelds (Köln), Schoenscheidt (Köln). (URL mit näheren Informationen und Kurzbiografien von Fotografen siehe unten)

Aufbewahrung

Grundsätze für die Aufbewahrung:
Klima: kühl, trocken, schadstofffrei
Raum: keine Sprinkleranlage aber Rauchmelder, nicht unter sanitären Anlagen
Schrank: einbrennlackierter Stahlschrank
Schachtel: holz- und säurefreier Karton
Hülle: Alphacellulose[15]
Für Stereofotos gibt es spezielle Hüllen, die zumindest für Tissues verwendet werden sollten. Um die Sammlung im Brandfall retten zu können, sollten geeignete Behältnisse (z.B. Faltkarton) vorgehalten werden.


Handhabung

Hände waschen
Originale mit sauberen weißen Baumwollhandschuhen anfassen
Originale nicht mehr als unbedingt notwendig dem Licht und mechanischen Einwirkungen aussetzen
Keine schädigenden Materialien auf die Fotografien legen
Originale nicht ungeschützt aus der Hand geben
Originale nicht in eine Druckerei geben
Rauchen, Essen und Trinken nicht in der Nähe der Fotos[16]
Auf keinen Fall Aufkleber benutzen (Kleber kann Papier schädigen)
Keine Sammlerstempel anbringen

Inventarisierung

Die konventionelle Kartei ist der Datenbank deutlich unterlegen. Die Datenbank (das auf vielen PC ohnehin vorhandene Access reicht völlig aus) sollte folgende Informationen enthalten: Fotograf,
Serie,
Nummer und Titel des Fotos,
Art der Stereoskopie (Papierart, Glas),
Scan der Stereoskopie (Hyperlink),
Scan der Rückseite (Hyperlink).
Natürlich müssen nicht immer alle Felder ausgefüllt werden, das gilt insbesondere für den Scan der Rückseite Nach dem Füllen der Datenbank können die gängigsten Abfragen (z.B. nach Fotograf, Ort) formuliert und abgespeichert werden.


Veröffentlichung

Leider finden sich nur selten Verlage, die bereit sind Bücher mit Stereoskopien zu veröffentlichen. Das liegt auch daran, dass immer ein Betrachtungsgerät beigegeben werden muss. Zum Glück bietet das Internet heute Möglichkeiten, Bücher in geringen Stückzahlen zu vertretbaren Preisen drucken zu lassen. Dazu lädt man sich proprietäre Software aus dem Netz herunter, gestaltet das Buch und lädt das Ergebnis wieder auf den Server der Firma, die das Buch dann professionell druckt, bindet und dem Author zuschickt. Das Drucken von Anaglyphen ist aber immer problematisch. Auch fotografische Kopien von Stereoskopien ist über das Internet möglich. (URL’s siehe unten)

Verarbeitung im PC

Die Bildbearbeitung am PC mit Photoshop oder ähnlichen Bildbearbeitungsprogrammen bietet heute ungeahnte Möglichkeiten. Je nach persönlichem Geschmack und vorgesehener Verwendung können die Stereoskopien von Flecken und Kratzern befreit werden und farblich umgestaltet werden. Mit geeigneten Programmen können die Stereoskopien auch in Anaglyphen umgewandelt werden zur Betrachtung mit der rot/grünen Brille.

vorher
Theodor Creifelds: Nro. 20 Inneres der Brücke für die Eisenbahn (Originalzustand)

nachher
dasselbe Foto bearbeitet von Jan Rubinowicz

Anaglyphe
Anaglyphe von Jan Rubinowicz


Empfohlene Literatur:

Stereographers of the World, Volume I – Foreign und Volume II United States von T.K. Treadwell und William C. Darrah 1994 NSA (National Stereoscopic Association)
The World of Stereographs von William C. Darrah (1977 Eigenverlag) zu beziehen wahrscheinlich nur Antiquarisch oder über NSA (National Stereoscopic Association)
Fotografien in Museen, Archiven und Sammlungen von Marjen Schmidt, Weltkunstverlag München ISBN 3-921669-10-3


Empfohlene Webseiten:


Fotos: http://www.fotopost24.de/
Buch: http://www.fotobuch24.de/index.php

Betrachter und Zubehör: http://www.3d-brillen.de/
Die Webseite des Autors enthält umfangreiche Informationen zur Stereoskopie und Fotografen sowie Links zu anderen Seiten:
http:// www.wettmann.de


Bezugsquellen für Betrachter und Zubehör

Philip Kurzenberger e.K., Luitpoldstrasse 31, 82152 Krailling

Quellen
[1] Pierre-Marc Richard: Das Leben als Relief – Der Reiz der Stereoskopie
[2] Jean-Claude Gautrand: Die Stereoskopie
[3] Beaumont Newhall: Geschichte der Photographie
[4] Beaumont Newhall: Geschichte der Photographie
[5] Geschichte der Photographie 1839 bis heute, Georg Eastman House
[6] Michael Bienert / Erhard Senf: Berlin wird Metropole
[7] Dr. Dieter Lorenz: Der Raumbild-Verlag Otto Schönstein – Zur Geschichte der Stereoskopie (DHM-Magazin)
[8] Serge Nazarieff: Stereo Akte – Nudes – Nus 1850 - 1930
[9] Serge Nazarieff: Stereo Akte – Nudes – Nus 1850 - 1930
[10] William C. Darrah: The world of Stereographs
[11] Beaumont Newhall: Geschichte der Photographie
[12] Beaumont Newhall: Geschichte der Photographie
[13] William C. Darrah: The World of Stereographs
[14] Neue Geschichte der Fotografie (Michel Frizot)
[15] Marjen Schmidt: Archivierung und Präsentation von Photographien in ‚photographie’ Nordstern Kunstreihe
[16] Marjen Schmidt: Fotografien in Museen, Archiven und Sammlungen


Stand: Juni 2005